182: Nachbearbeitung und Schnitt im Podcast – Was wirklich sein muss (und was nicht)

Shownotes

Du sitzt vor deinem Schnittprogramm und weißt nicht, wo du anfangen sollst. Jedes "Äh" raus? Jeden Atemzug glätten? Stundenlang optimieren?

Nein. Das ist Wahnsinn.

In dieser Episode zeige ich dir die drei Pflichtpunkte, die wirklich sein müssen – und wann du endlich aufhören darfst zu schneiden. Spoiler: Es geht nicht um Perfektion. Es geht um hörbar.

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SHOWNOTES

Die 3 Pflichtpunkte beim Schneiden:

  1. Groben Mist rausschneiden – Unterbrechungen, langes Suchen, Verhaspeln
  2. Lautstärke & Verständlichkeit sichern – Stimmen auf gleichem Level, keine nervigen Ausreißer
  3. Reality-Check – Eine Frage: "Würde ich das als Hörer bis zum Ende hören, ohne genervt zu sein?"

MAMPF-Regel für einfacheres Schneiden:

  • Markieren (Schnalzen/Klopfen)
  • Ansage ("Den letzten Satz mache ich nochmal")
  • Markieren (nochmal)
  • Pause (damit du die Schere in der Tonspur ansetzen kannst)
  • Fortsetzen

Tools:

  • Auphonic – Automatische Lautstärke-Anpassung (-16 LUFS), Rauschentfernung

Fertig-Regel:

  • Nur ein Schnitt-Durchlauf – Hören, Markieren, Schneiden, Fertig
  • Limit setzen: Max. 1 Stunde pro Folge
  • Fertig ist, was nicht nervt – nicht, was perfekt ist

Interview-Schnitt:

  • Schneide nur, wenn es Tempo killt oder den Faden kaputtmacht
  • Nicht jede Pause ist schlecht
  • Erst sprechen, dann schneiden – trenne die Phasen sauber

Mindset:

  • Hörbar > Perfekt
  • Eine okay geschnittene Folge, die draußen ist, schlägt jede perfekte Folge, die nie veröffentlicht wird

Transkript anzeigen

00:00:00: Es muss das Jahr zwei tausend neun, zwei tausend zehn vielleicht gewesen sein.

00:00:03: Ich sitze dann da vor meinem Rechner und da habe ich dieses Gefühl, was viele, viele Podcasterinnen und Podcaster auch haben.

00:00:12: Ich sitze da vor der Aufnahme, öffne dann meinen Schneideprogramm und dann habe ich.

00:00:17: Ehrlich gesagt, gar keine Ahnung mehr, wo ich anfangen soll.

00:00:19: Soll ich jetzt wirklich jedes Rausschneiden, jeden Atemzug, wie den jetzt hier auch rausnehmen?

00:00:26: und wann ist so eine Folge eigentlich fertig optimiert?

00:00:31: Stunden lang?

00:00:32: Und die Antwort ist natürlich nein, nein, das wäre natürlich die absolute Wahnsensor.

00:00:36: Und was ich verstanden habe irgendwann ist, ich brauche kein High-End-Schnitt.

00:00:41: Muss ja kein Hörbuch werden.

00:00:43: Aber es braucht einen klaren Mindeststandard, damit man so eine Podcast-Folge oder dir und mir gerne zuhört.

00:00:52: Und genau das ist das Thema dieser Podcast-Folge.

00:00:55: Was muss wirklich sein?

00:00:56: Was kannst du weglassen?

00:00:57: Wann bist du fertig?

00:00:59: Das klären wir jetzt.

00:01:00: Viel Spaß dabei.

00:01:35: Wenn ich mal so über den Daumen peile, vielleicht sind dabei so ... ... vierzig, fünfzig Interviews.

00:01:41: Nichtsdestotrotz, ich kenne das Problem mit dem Schneiden.

00:01:45: Wann ist so eine Folge denn mal wirklich fertig?

00:01:49: Und vielleicht kennst du das auch?

00:01:52: Vielleicht kennst du das von deinen Anfangs-Tagen?

00:01:54: Vielleicht bist du gerade in deinen Anfangs-Tagen des Podcastings?

00:01:59: Und dann hast du da jetzt was aufgenommen mit ... Audacity oder Garageband oder Hindenburg.

00:02:06: Na ja, dann geht es darum, was muss jetzt eigentlich raus.

00:02:11: So.

00:02:13: Typischerweise will man dann diese Füllwörter rausnehmen, so was wie äh oder äh, solche Sachen, ja.

00:02:20: Oder das ja, was ich auch, das ist so mein Ding, ne.

00:02:22: So ein ja.

00:02:24: Cool.

00:02:25: Solche Sachen können dann raus.

00:02:28: Muss jetzt immer raus.

00:02:29: Na ja, das ist halt die Frage, ne.

00:02:32: Wenn man da jetzt so was aufgenommen hat und man anfängt, also wieso nicht so richtig zufrieden ist mit sich und seiner Performance, dann passiert oft das Schlimmste, dass dann die Podcaste oder angehenden Podcaste gar nix machen.

00:02:47: Dann liegt so eine MP-Drei-File einfach auch mal lang auf der Festplatte, aber die geht nicht raus.

00:02:54: Nicht weil du jetzt nicht weißt, oder man nicht weiß, wie man da jetzt ran gehen sollte, sondern... Weil da die Angst ist, vielleicht ausgelacht zu werden.

00:03:05: Ja, mache ich das gut genug.

00:03:07: Und das ist dann die klassische Perfektionismus-Falle.

00:03:10: Und die kostet dann einfach nicht nur Zeit, sondern vollem auch Momentum.

00:03:17: Dann sitzt du da zu Hause und grübelst vor dich hin und links und rechts huschen vielleicht auch andere an dir vorbei, die dann mit unperfekten Folgen rausgehen.

00:03:29: Du halt so gar nicht.

00:03:31: Und dann ist es dann auch oft so, das kenne ich für mich, das kenne ich für meinen Kundinnen und Kunden, dass dann dieser eine Episode in Extremo bearbeitet wird.

00:03:43: Und dann hat man diese Episode perfekt in Anführungsstrichen und dann kommt die nächste.

00:03:49: Und dann denkt man ja irgendwie so richtig Lernkurve ist hier noch nicht und dann muss man oder denkt man da muss ich aber der ja genauso Perfektionistisch rangehen sie mehrmals aufnehmen Sachen nochmal wiederholen und und und und und das natürlich wirklich Wahnsinn.

00:04:04: also lass das sein.

00:04:06: es geht hier um den moment und ich möchte mit dir auch drüber sprechen warum Perfektionismus da halt irgendwie echt ein thema ist.

00:04:14: wir sprechen über die drei Pflichtpunkte, die wirklich sein müssen und wir reden auch darüber, wann denn auch so was mal fertig ist.

00:04:24: Also irgendwann ist ja auch fertig bearbeitet und da habe ich auch ein paar Tipps für dich eben aus der Praxis.

00:04:30: Also, das Problem ist die eigene Erwartungshaltung.

00:04:35: So, Schnitt bedeutet Perfektion.

00:04:38: Das ist das, was viele denken und das ist... So, zumindest meiner Meinung nach, nicht richtig.

00:04:44: Wer von deiner Zuhörerschaft erwartet, dass es ein Hörbuch ist, in entsprechender Qualität, ja, der darf erst mal weitergehen.

00:04:51: Dann kriegst du hier auch nicht.

00:04:52: So.

00:04:53: Perfekt heißt, null Fehler.

00:04:56: Studiosauberkeit.

00:04:58: Makel los.

00:04:59: Keine Pausen.

00:05:01: Kein, was weiß ich, Versprecher.

00:05:04: Keine Momente, wo du nach Worten ringst oder irgendwas suchst oder sowas.

00:05:09: oder auch mal so ein Satzende verschluckst.

00:05:11: Nein, da muss alles sitzen.

00:05:14: Aber ganz ehrlich, das ist halt eben nicht der Standard, den du brauchst.

00:05:18: Ja, das ist Standard, wenn du synchron sprichst.

00:05:21: Oder wenn du für einen hochwertigen Verlag ein Hörbuch sprichst, dann brauchst du das.

00:05:28: Aber den Standard, den du beim Podcasting brauchst, der heißt Hörbar.

00:05:33: Hörbar bedeutet, man versteht dich.

00:05:37: So, das ist... Gut genug, dass man dran bleibt, dass man nicht genervt ist.

00:05:42: Das ist der Unterschied zwischen gut genug und erst mal erst mal unerreichbar.

00:05:50: Und genau dieser Unterschied, der entscheidet darüber, ob da eine Folge am Anfang rausgeht oder ob das dann in der Schutperde liegen bleibt.

00:06:01: Und ganz ehrlich, Podcasting ist auch Persönlichkeitsentwicklung.

00:06:05: Ich sage ganz gerne, um Angst zu nehmen, Podcasting ist Persönlichkeitsentwicklung an beiden Enden des Mikrofons.

00:06:13: Das bedeutet, dass du mit den Inhalten die Lebenswelt von Menschen veränderst.

00:06:19: positiv, aber du dich eben auch verändern wirst.

00:06:22: Du wirst mit dir selbst und deinem Perfektionismus konfrontiert.

00:06:27: Dummerweise machen Podcast viele Leute, die eher ein Stück weit introvertiert sind, die es gar nicht so richtig Bock haben, sich auf eine Bühne zu stellen und da ihre Thesen rauszuschmettern.

00:06:40: So, aber die Menschen, die eher ruhig, nicht schüchtern, aber eher ruhig sind, die haben oftmals, habe ich zumindest, festgestellt so, dass jetzt keine Studie, habe ich nie wissenschaftlich belegt oder untersucht, aber so anekdotische Evidenz, die haben dann auch so einen Perfektionisten in sich sitzen.

00:07:01: So, und das wirst du nicht.

00:07:04: Also, lass uns mal über guten Schnitt sprechen.

00:07:08: Der Job ist, wenn du hier so einen Schnitt machst, nicht eine perfekte Aufnahme zu produzieren, sondern eine höhere Aufnahme zu produzieren.

00:07:19: So, und was hörbar ist, das wollen wir hier besprechen.

00:07:24: Und das schaffst du eben, wenn du so einen gewissen Mindest-Standard hast.

00:07:29: Mindest-Standard klingt jetzt für dich vielleicht so wie, okay, es ist auch in Ordnung, wenn wir das so hinschludern.

00:07:36: Nein, nein, nein, nein, nein.

00:07:38: Du darfst dir Mühe geben.

00:07:40: Das darf gut klingen, aber eben nicht unerreichbar gut.

00:07:45: Also, es geht auch gar nicht um stundenlanges... Was weiß ich?

00:07:49: Tuning oder noch schlimmer, dass du dich in irgendwelchen Effekt-Dschungeln verirrst und damit irgendwelchen Nachbearbeitungstools versuchst, da irgendwas zu verbessern, was vielleicht auch gar nicht so verbessern ist, sondern es geht hier um, wie ich finde, drei relativ einfache Pflichtpunkte und um die kümmern wir uns jetzt.

00:08:10: Also, was sind die drei Pflichtpunkte?

00:08:12: Was muss wirklich sein?

00:08:15: Was muss raus aus einer Podcast-Folge?

00:08:18: Und nochmal, das, was du hier vielleicht diesen Podcast hörst, wenn ich mir Mühe gebe, ordentlich zu artikulieren und vernünftig zu sprechen, dann ist das schon gar nicht verkehrt.

00:08:31: Und das sage ich auch als jemand, der jetzt nicht unbedingt von Haus aus total selbstbewusst ist.

00:08:38: Mit der Zeit, mit den Episoden, kam aber einiges an Erfahrung, Equipment, an Technik, aber auch an ... Stimmtechnik dazu, dass ich davon ausgehen kann, dass das hier recht gut klingt.

00:08:52: Es ist ein Prozess.

00:08:54: Das heißt nicht, dass du von jetzt auf gleich diesen Standard haben musst.

00:08:58: Das ist mein Mindeststandard hier, den du hörst, der vor drei Jahren ein anderer war, der vor zehn Jahren ein anderer war und der vermutlich in fünf Jahren auch ein anderer sein wird.

00:09:09: Es geht nicht darum, dass du von jetzt auf gleich den Standard, den Mindeststandard, erreichst, den du.

00:09:15: erreichen kannst, sondern der erstmal ausreicht für dich.

00:09:19: Also erster Punkt, groben Mist rausschneiden.

00:09:23: So, low hanging fruit, ja.

00:09:25: Wenn du etwas aufnimmst und da sind Dinge drin, die niemand hören muss, also wie jetzt im Hintergrund, ich weiß nicht, ob man ihn hört, aber hier, wir haben so eine, meine Frau kam auf die geile Idee, hier so ein Kuckucks-Uhr hin zu hängen und der landet manchmal in der Aufnahme.

00:09:45: kriege ich den meisten Zweck.

00:09:46: Also, wenn du im Hintergrund da gerade irgendwas gehört hast, herzlichen Glückwunsch.

00:09:49: Das sind die Dinge, die dann raus können.

00:09:52: Aber nicht müssen.

00:09:54: Kommen wir gleich zu.

00:09:55: Also, es kann aber sein, dass du deine Episode zu früh startest, drückst auf Record, bist im Interview, quatscht noch ein bisschen, machst noch ein Mikrofoncheck und vergiss, dass das alles irgendwie aufgenommen wird, was weiß ich, ein, zwei Sekunden.

00:10:08: Das muss raus.

00:10:09: So, das ist klar.

00:10:11: Genauso am Ende, wenn nach dem eigentlichen Abschluss du dann auch irgendwie rumfummelst oder man hört, wie du das Mikrofon zur Seite schiebst, so, das darf raus.

00:10:21: Oder wenn du nach Worten ringst in deinen Episoden, ja Moment, ich muss mal kurz den Faden, ihm den Faden verloren.

00:10:30: Das sind so Dinge, die dürfen raus.

00:10:33: So, wo du den Faden halt erst wieder finden musst.

00:10:35: Das kostet Tempo, das... ist Lebenszeit, die deine Zuhörerschaft nicht wiederbekommt.

00:10:43: So und dann kommt dann vielleicht auch mal eine Rückfrage vom Gast oder der Hund bellt im Hintergrund oder was weiß ich, solche Sachen dürfen raus.

00:10:53: Oder wo du dich verhasbelt hast, wo du einen Satz angefangen hast und du nicht mehr weißt, wie du ihn beendest, dann kannst du ihn nochmal machen und dann nimmst du das in der Nachproduktion das raus, was einfach raus muss.

00:11:08: Unterbrechung, Telefonklingeltür geht auf, ich bin gleich wieder da.

00:11:12: Das sind Dinge, die dürfen raus.

00:11:14: Das ist auch ziemlich schnell gemacht und hat einen direkten krassen Effekt eben auf diese Hörbarkeit.

00:11:20: So, solche groben Dinge dürfen raus.

00:11:23: Dann, zweiter Punkt, Lautstärke und Verständlichkeit sichern.

00:11:28: So, wenn ich jetzt deinen Podcast höre und ich als Hörer dann eben ständig Deine Podcast folgen lauter oder manchmal leiser machen muss, dann nervt mich das.

00:11:40: So, es geht nicht um die perfekte Audio Balance.

00:11:42: Das Ziel ist, dass du angenehm und ähnlich laut klingst.

00:11:48: Du in deinen Folgen und Host und Gast im Interview sollten ebenfalls ungefähr auf einem Level sein.

00:11:56: Da empfehle ich dir, ziehe das Ganze einfach nochmal durch auf Phonic durch.

00:12:03: macht ein Großteil auch einfach automatisch diese Minussechzehn Lufs, die man braucht.

00:12:10: So eine Art Standard für die Lautstärke bei Apple und Spotify und so weiter.

00:12:15: Das reichten meist schon.

00:12:18: Und dann hörst du noch mal drüber und dann justierst du das.

00:12:21: Aber so ein Auffonnic ist, wie ich finde, eine Wunderwaffe, was das angeht.

00:12:27: Das macht die Lautstärke schon mal.

00:12:30: Korrekt.

00:12:31: Nimmt auch Rauschen raus.

00:12:33: Oder irgendwelche Geräusche, die halt reingekommen sind, wie halt eben der Kuckuck, der im Hintergrund seinen Ding gemacht hat.

00:12:42: Wenn der Mikrofon leichtes Grundrauschen hat.

00:12:44: Ich sitze zum Beispiel heute in der Küche, im Hintergrund brummt der Kühlschrank seinen ständiges Brummen.

00:12:51: Hörst du den?

00:12:51: Nein, weil ich den rausgenommen habe.

00:12:53: Weil ich das auch einmal durchophonik ziehe und dann ist gut.

00:12:58: So, und dann Verständlichkeit, wenn einzelne Stellen in deiner Podcastfolge schwer zu verstehen sind, weil da irgendjemand den Kopf weg bewegt hat vom Mikrofon oder was weiß ich, wenn du noch in der Aufnahme bist, einfach nochmal neu sagen.

00:13:16: das, was du raushaben möchtest, rausschneiden.

00:13:19: So, und wenn ein Gedanke komplett verfirrend ist, versuch nicht, den mit noch einem Schachtelsatz und noch einem Nebensatz zu retten.

00:13:26: Lieber noch mal sagen, noch mal kürzen und dann zusammen basteln oder halt am besten noch mal neu sagen.

00:13:34: Du kannst also auch einfach markieren.

00:13:35: Ich nenne das ja die Mampfregel.

00:13:37: Also markieren, ansage im Sinne von, ah, den letzten Satz mach ich noch mal, dann noch mal eine Markierung, dann Eine kurze Pause und dann F wie fortsetzen.

00:13:49: Mumpf.

00:13:50: Also eine Markierung setzen, das kann so ein Schnalzen mit der Zunge sein oder du klopfst aufs Mikrofon.

00:13:55: Kurze Pause.

00:13:56: Gibst dir dann selbst eine Anweisung oder so wie du es eine Mitarbeiter geben würdest, sowas wie den letzten Satz mache ich nochmal.

00:14:05: Dann noch eine Markierung, dass du weißt, okay hier ist Ende.

00:14:08: Kurze Pause.

00:14:09: dass du auch einen Zeitpunkt hast, um die Schere anzusetzen und dann machst du einfach weiter.

00:14:14: So einfach ist das.

00:14:16: Und dann brauchst du in der Nachbearbeitung eigentlich nur noch von Stelle zu Stelle gehen, wo du diese Markierung gesetzt hast und kannst das dann schneiden, am Ende einmal durch auf Phonic, aus die Maus.

00:14:26: Das kannst du auf jeden Fall mal ausprobieren, die Mammfregel liebe ich sehr.

00:14:32: So, kommen wir jetzt zum dritten Punkt, nämlich der Reality Check.

00:14:34: Und hier geht es nicht um, wünsch dir was, sondern hier geht es um den Mindeststandard.

00:14:41: Hör dir deine Episode durch.

00:14:45: Und stell dir dabei nur eine einzige Frage.

00:14:50: Würde ich das als Zuhörer oder Zuhörerin bis zum Ende hören, ohne genervt zu sein?

00:14:59: Nicht ist das perfekt, nicht könnte ich Ihnen noch was optimieren, sondern nervt da irgendwas.

00:15:08: Und wenn die Antwort nein ist, bist du fertig.

00:15:12: Wirklich fertig.

00:15:13: Mehr brauchst du nicht.

00:15:14: Und ja, natürlich können wir darüber reden, ob der oder der Satz anders formuliert besser gewesen wäre.

00:15:20: Geschenkt.

00:15:21: Das hört auch nie auf.

00:15:23: Wenn ich mir Folgen anhöre, von mir, wie gesagt, nach knapp achtnundert Folgen, denke ich auch, ob der Satz zu verstehen war.

00:15:31: Rückblickend würde ich ihn vielleicht auch ändern.

00:15:34: Ändere ich ihn dann?

00:15:35: Nein, natürlich nicht, weil das ja... Wahnsinn wäre.

00:15:40: Also dann bist du fertig.

00:15:42: Mehr muss nicht sein.

00:15:44: So wie es jetzt mit Interviews, da tickt es ein bisschen anders.

00:15:49: Ja, das läuft ein bisschen anders und das ist jetzt unser nächstes Thema.

00:15:54: Beim Interview ist es insofern anders, dass du nicht nur dich selbst schneidest, sondern eben auch deinen Gast.

00:16:02: Und dass es zu berücksichtigen gilt, dass so ein Interview irgendwie immer so einen eigenen Flo hat.

00:16:10: Hier lautet die Grundregel für mich.

00:16:13: Schneide nur das, was das Tempo, was den Flo klingt oder eben den roten Faden kaputt macht.

00:16:20: Nicht jede Pause ist schlecht.

00:16:24: Nicht jede Pause muss raus.

00:16:26: Pausen rauszuschneiden, da darf man sowieso gucken, ob das sinnvoll ist.

00:16:30: Denn oftmals ist es für dich klar, was du sagen möchtest, nicht aber für deine Zuhörerschaft.

00:16:35: Da ist so eine Pause.

00:16:38: Mitunter gar nicht verkehrt.

00:16:39: Und auch nicht jedes Úh im Interview nervt, wenn der Flow stimmt.

00:16:44: Wenn es irgendwie passt, das merkst du, dass du irgendwann ein Gefühl für, dann passt das.

00:16:51: Wenn jemand etwas zweimal sagt und das passiert ständig im Interview, dann behalt einfach die bessere Variante oder schneit das raus, was raus muss.

00:16:59: Da hilft dir auch ein Transkriptby übrigens.

00:17:03: Manchmal ist es auch so, dass so ein Gast neu ansetzt und Manchmal fragst du dann einfach noch mal nach als Host.

00:17:10: Und in der Motto, du, ah, das habe ich irgendwie nicht so ganz verstanden.

00:17:14: Meinst du, du könntest das noch mal versuchen oder noch mal sagen?

00:17:17: So, dann wählst du die Version aus, die gut ist und fertig.

00:17:20: Und ja, das darfst du als Host.

00:17:22: Du darfst sagen, so, boah, irgendwie.

00:17:24: Ich habe das nicht so ganz verstanden.

00:17:25: Endlich gesagt, kannst du das noch mal in andere Worte?

00:17:28: oder kannst du mir das noch mal erklären?

00:17:30: Dann gibt es meistens noch eine bessere Variante.

00:17:34: Und was auch eine gute Sache ist, Manchmal ist es so, dass wir als Host eine Frage stellen wollen, aber dann am Ende so eine ganze Kaskade von Fragen haben.

00:17:45: So, hey Peter, ich habe ja gehört, dass du gerne mit Zeitmanagement unterwegs bist.

00:17:50: Was wäre denn dann für dich der Grund, warum wir auf Zeitmanagement achten sollten?

00:17:55: Ist ja schließlich so, dass da jeder einen anderen Zeitansatz hat, oder?

00:18:00: Oder was ist wir?

00:18:01: Also, du merkst, mehrere Fragen und vielleicht reicht einer aus.

00:18:05: So, das ist dann richtig cool und die Antwort bekommt dann alles an Fokus, was sie braucht.

00:18:15: So, kommen wir zum nächsten Punkt, lehme ich erst sprechen, dann schneiden, das hatten wir gerade auch, ist hier bei Interviews aber auch eine richtig wichtige Sache.

00:18:28: Trennen die Phasen, Aufnahme und Schnitttrendes.

00:18:32: Ja, beim Aufnehmen rede.

00:18:35: Mach, verhaspel dich, sach Sachen doppelt, korrigier dich, setzt noch alles völlige in Ordnung.

00:18:41: Und beim Schneiden, da kannst du dann aufräumen.

00:18:44: Wenn du in der Produktion, schlimmer noch, im Interview die ganze Zeit den Kopf anhast, und der Gast redet die ganze Zeit weiter und du bist dann auf einmal bei dir und nicht beim Gast, das hört man dann.

00:18:58: So viele schneiden dann gedanklich im Kopf mit.

00:19:04: Und das ist dann total kontraproduktiv.

00:19:07: Da bist du draußen, dann wirst du nervös.

00:19:09: Das killt den Flow, das bremst dich und das willst du am Ende nicht.

00:19:12: Also trennen diese beiden Phasen.

00:19:15: Sauber.

00:19:16: Beim Aufnehmen bist du im Performance-Modus, da bist du beim aktiven Zuhören bei deinem Gegenüber.

00:19:23: Beim Schneiden im stillen Camerline da bist du in diesem Editier-Modus.

00:19:27: Da kannst du dich dann mit einem Transkript und mit der Audiospur zusammensetzen und das nimmt dann einfach den Druck raus.

00:19:35: Und jetzt kommen wir zur großen Frage.

00:19:37: Wann bist du fertig?

00:19:40: Weil wir können Episoden, das hab ich echt schon erlebt.

00:19:44: Bei mir jetzt nicht so sehr, aber bei Kundinnen und Kunden schon mal, dass sie sagten, ich hab mehr so eine Episode fünf, sechs Mal angehört, die dann irgendwie dreißig Minuten geht und hab immer noch irgendwas gefunden, was raus kann.

00:19:57: Und dann dachte ich mir, boah, das sind ja dann locker zweieinhalb, drei Stunden.

00:20:00: Nur mit dieser einen Episode, nur im Schnitt, nur durchhören.

00:20:05: Gar nicht mal jetzt irgendwie schneiden.

00:20:07: So, und das ist ja der Wahnsinn.

00:20:10: Also wenn nach fünf Durchläufen noch irgendetwas zu finden ist, was raus kann, dann ist das nichts Besonderes.

00:20:18: Wenn ich hier diese Podcast-Folge höre, drei, vier, fünf, sechs, sieben Mal, da wird mir auch noch etwas auffallen, was raus könnte.

00:20:25: So will ich aber nicht.

00:20:27: Die Antwort auf die Frage, wann bist du fertig, ist relativ einfach, zumindest für mich.

00:20:32: Vielleicht gehe ich da auch zu hänzeärmlich dran.

00:20:34: Ich weiß es nicht.

00:20:35: Bei mir gibt es einen Schnitt-Durchlauf.

00:20:39: Hören.

00:20:40: markieren, schneiden, durch.

00:20:42: Nicht drei, nicht so was wie, ich höre nochmal drüber, nicht so was wie, ich optimiere nochmal.

00:20:48: Das ist Perfektionismus.

00:20:51: So, und ich setze mir ein Limit.

00:20:54: Maximal eine Stunde pro Folge.

00:20:57: Wenn du drüber bist, aufhören.

00:21:00: Schneidest du nicht mehr, also hörst du sie einmal komplett durch, schneidest das was raus muss und dann setzt du dir ein Limit ein zeitliches.

00:21:08: Mehr.

00:21:09: Nicht, wenn du drüber bist, wird nicht mehr geschnitten, wird nicht mehr perfektioniert und das bringt dich dann auch nicht weiter, wenn du unbegrenzt Zeit hast.

00:21:17: Deine Folge ist fertig, wenn du sie durchgehört hast, ohne den Impuls zu haben auf Pause zu drücken.

00:21:24: Nicht, wenn sie perfekt ist, nicht, wenn jedes Detail sitzt, sondern wenn sie dich nicht nervt.

00:21:30: Das ist der Maßstab.

00:21:32: Mehr braucht es nicht.

00:21:34: Heißt, wie gesagt, nicht schludern, ja?

00:21:37: Es soll eine gute Soundqualität sei eine gute Folge.

00:21:41: Die Redundanzen, die Wiederholung raus und das reicht erstmal.

00:21:45: Okay?

00:21:47: Also nochmal zusammengefasst.

00:21:50: Mach den groben Mist weg.

00:21:53: Versprecher, Wiederholungen und so weiter.

00:21:55: Lautstärke und Verständlichkeit darfst du sichern.

00:21:58: Einmal durchhören mit diesem Reality-Check.

00:22:01: Fertig ist, was nicht nervt.

00:22:04: Setz dir ein Limit.

00:22:05: Schneid einmal durch, hör einmal drüber, fertig.

00:22:09: Und dann raus damit.

00:22:11: Und ja, raus damit in die Welt.

00:22:14: Und es kann sein, dass du dann diese Folge hörst und denkst, oh nein, da hab ich ja noch einen Atmer vergessen oder da hab ich eine Wiederholung vergessen.

00:22:21: So fucking what?

00:22:23: Vollkommen egal.

00:22:25: Ja, es gibt Episoden, da gebe ich mir selber Regieanweisungen nach dieser Mammfregel.

00:22:33: Und die habe ich dann drin gelassen.

00:22:34: Mein Gott.

00:22:36: Ja, da dürfen wir über unseren Schatten springen.

00:22:38: Das ist okay.

00:22:40: Es ist eine okaye Folge oder eine okay geschnittene Folge.

00:22:44: Innerlich kann die super gut sein.

00:22:47: So, draußen ist, schlägt, also wenn eine Folge draußen ist, das schlägt jede perfekte Folge, die nie rausgegangen ist.

00:22:54: Okay?

00:22:55: Also, schneid die Folge und dann raus.

00:22:59: Gib ihm.

00:23:01: Ich hoffe, Das hat dir geholfen.

00:23:03: Ich hoffe, das konnte auch ein wenig Druck aus dem Kessel nehmen, was so diesen Perfektionismusansatz angeht.

00:23:12: Und ich freue mich jetzt, wenn wir uns in der nächsten Podcast-Folge wiederhören.

00:23:17: In diesem Sinne wünsche ich dir einen ganz, ganz tollen Tag und sag bis dahin dein Gordon Schönwälder.

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